Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V.

Medizinische Aspekte bei Trekking und Expeditionen

Theorie und Einführung

Bei der großen Zahl von Trekkingtouren und Expeditionen in außereuropäische Gebirge gewinnt das Wissen um die Anpassung an größere Höhen und die Behandlung von Höhenerkrankungen eine immer stärkere Bedeutung. Im folgenden möchten wir einen Überblick über die höhenmedizinischen Zusammenhänge und praktisch verwertbare Hinweise für einen geplanten Höhenaufenthalt geben.

Höhenzonen und ihre Charakteristika

Alle wesentlichen Aspekte der Höhenmedizin beruhen auf der Tatsache, daß mit steigender Höhe der Luftdruck kontinuierlich abnimmt.

Anden, Peru

Auf Meereshöhe herrscht durch das Eigengewicht der Luft der größte Druck (im Mittel 1013 Millibar oder veraltet 760 mm Quecksilbersäule). Auf etwa 5500 m Höhe erreicht der Luftdruck nur die Hälfte und in Höhe des Mt. Everest nur noch etwa ein Drittel des Normaldrucks in Meereshöhe. Der Sauerstoffanteil in der Luft bleibt bis etwa 15 km Höhe konstant bei ca. 21%, allerdings kommt es natürlich auch hier zu einer parallelen Abnahme des Sauerstoff(teil-chen)drucks und dadurch letztendlich zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe, der die eigentliche Ursache der vielfältigen Probleme in der Höhe ist. Entscheidend für die Reaktionen des Organismus auf diese Veränderungen sind die unterschiedlichen Höhenbereiche, die in Abbildung 1 aufgeführt sind. Unterhalb 1500 m gibt es normalerweise keinerlei Gesundheitsbeeinträchtigungen, darüber können jedoch bei bestimmten Erkrankungen die ersten Probleme auftreten. Eine mittlere Höhe von 2000 - 2500 m ist auch der Bereich, in dem Ausdauersportler ihr Höhentraining absolvieren. Zwischen 3000 m und etwa 5500 m - also im Hauptbereich von Trekkingtouren - kann sich ein gesunder Mensch nach einer entsprechenden Adaptationszeit vollständig den Verhältnissen anpassen und nahezu normal leistungsfähig sein. Oberhalb von 5500 m ist eine vollständige Anpassung an die Höhe bzw. den Sauerstoffmangel nicht mehr möglich, stattdessen kommt es zu einem kontinuierlichen Abbau der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Diese Höhenmarke ist deshalb auch die oberste Grenze einer menschlichen Dauerbesiedelung und gleichzeitig die höchste noch sinnvolle Basislagerhöhe für Expeditionsbergsteiger.

Einteilung der Höhenzonen

  • 0 - 3000 m mittlere Höhe (Schwellenhöhe liegt bei 2500 m)
  • 3000 - 5000 m große Höhe, vollständige Akklimatisation möglich
  • 5000 - 7500 m sehr große Höhe, nur unvollständige Anpassung möglich
  • über 7500 m Todeszone akuter Kräfteverfall, nur kurzer Aufenthalt möglich

Auswirkungen der Höhe auf den Organismus

Der Sauerstoffmangel macht sich ab etwa 3000m bemerkbar und ruft vielfältige und z.T. sehr komplexe Reaktionen des Körpers hervor. Die normale Anpassung an größere Höhen erfolgt anfangs vor allem durch stark erhöhte und vertiefte Atmung, so daß mehr Sauerstoff aufgenommen werden kann. Eine vergrößerte Pumpleistung des Herzens (Erhöhung von Puls und Schlagvolumen, siehe Abbildung 3) trägt zu einem geringeren Teil dazu bei. Der Anstieg der roten Blutkörperchen mit Erhöhung der Sauerstofftransportfähigkeit erfolgt später nach einigen Tagen. Wichtig sind zusätzlich noch eine verbesserte Sauerstoffausschöpfung in den Zellen und weitere komplizierte Regulationsvorgänge. Die Herzfunktion selbst wird durch die Höhe nicht negativ beeinflußt und ein Tod durch Herzinfarkt in größerer Höhe scheint sehr selten zu sein). Durch die reaktive Vermehrung der roten Blutkörperchen in der Höhe und durch die vermehrten Flüssigkeitsverluste bei der verstärkten Atmung kann es zu einer Eindickung und Verlangsamung des Blutes und daher zu Lebensgefahr durch Bildung von Blutgerinnseln kommen, wenn nicht genügende Flüssigkeitsmengen zugeführt werden. Diese Bluteindickung bewirkt auch eine Mehrbelastung für Herz und Kreislauf sowie eine schlechtere Durchblutung der Extremitäten mit erhöhter Erfrierungsgefahr. Auffällig ist, daß bei Expeditionen und abgeschwächt auch bei längeren Trekkingtouren normalerweise ein deutlicher Gewichtsverlust beobachtet wird. Dabei kommt es trotz der dauernden Beanspruchung auch zu einer Abnahme des Oberschenkelumfanges. Die Ursache ist eine indirekt durch die Höhe bedingte Muskelreduzierung, d.h. es findet ein etwa 10%-iger Verlust an Muskelmasse, eine Abnahme der Faserzahl und eine Verminde rung von wichtigen Zellorganen statt. Da das Kapillarsystem aber durch die Höhe nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, resultiert daraus eine relative Dichteerhöhung der Blutgefäße mit verbesserter Sauerstoffversorgung des Muskelgewebes.

»»» Risiko und gesundheitlicher Verlauf beim Höhenbergsteigen

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